Mit Photoshop zum Instagramstar!

Bitte was?!

Ich habe die letzten Tage einen interessanten Artikel von Jana Wind (bekleidet.net) gelesen. Allein die Ankündigung in ihrem Tweet las sich schon reißerisch.

“Was für ein abgefucktes Schönheitsbild haben wir eigentlich mittlerweile?”

Wie ich mittlerweile schon feststellen durfte, ein ziemlich bescheidenes. Wirklich bescheiden.

Unser Selbstbewusstsein scheint ganz unten am Fuße des Berges angekommen zu sein und es wird fast immer rückschrittlicher.
Das könnte nun eigentlich gar nicht so schlimm sein, immerhin sind Bilder für mich nichts Unwichtiges, ganz im Gegenteil! Als Grafikerin/Fotografin lebe ich vom Schönen. Hässliches Design/Fotos sollte es bei mir nicht geben und die Ästhetik muss einfach stimmen.

Was das mit dem Instagramstar und dem obrigen Zitat zu tun hat?
Jana beschrieb wunderbar in ihrem Artikel, wie sie ein Foto gemacht hat, felsenfest der Meinung, dass es eine gute Grundlage ist. Dieses Bild fing sie dann an zu photoshoppen. Der Hintergrund wurde ausgetauscht, das Verflüssigen-Tool war ihr bester Freund. Die Taille schlanker, die Beine länger und dünner. So extrem, dass es in meinen Augen einen Photoshopfail gleicht – aber der Community war das egal, sie liebte es. “Tolle Beine”, … “tolles Foto”, den wenigsten fiel auf, dass es bis zum geht nicht mehr gephotoshopped ist.

Influencer bestimmen das Geschäft

Das Schlimme an dieser ganzen Geschichte ist, dass das Bild der Medien, welches schon kein gutes Vorbild war, nun durch die Influencer weiter getrieben wird.

Übersehen wird der Aufwand eines einzelnen Instagramposts. 3 Stunden wird sich gestylt und geschminkt, es wird eine tolle Location gesucht und so professionell wie es geht werden hunderte Fotos aufgenommen. Das eine Beste (oder eine ganze Reihe von 5 Bildern in verschiedenen Posen/Detailaufnahmen) wird dann nachträglich noch mal aufwendig bearbeitet.

Das landet nun online. Bei Instagram. Einer App, die ursprünglich für mobile Schnappschüsse gedacht worden ist. Da nun zwischen aufwendiger Produktion und einfachen Schnappschuss zu unterscheiden ist nicht wirklich leicht.
Das geht bei Sonnenuntergängen los, weiter über Selfies … bis zu Produktfotos. Wo es auch schon weitergeht und nicht alle Produkte gekennzeichnet werden. (Produktkennzeichnungen im Internet sind sowieso eine ganz andere Kategorie …)

So wie diese aber nicht gekennzeichnet sind, so sind Bilder nicht gekennzeichnet, ob sie gephotoshopped wurden oder nicht.

#Photoshopped

Die Influencer – Vorbilder – helfen dabei … diverse Eigenschaften wieder hoch in Kurs zu bringen.
Da wären … dünne Beine (die sogenannte #thightgap), lange Haare (da helfen Extensions wunderbar), die reinste Haut (Photoshop sei Dank), … und da ist noch viel viel mehr.

Natürlich stellt das alles die Realität auf Instagram in Frage. Wie echt ist das alles, wenn so viel im Vorfeld verändert wird? Angepasst wird? So fernab der Realität ist.

Was ist da die Lösung?
Eventuell könnte es eine Möglichkeit sein, alles einfach via Hashtag zu lösen. Das ist aber sehr unrealistisch.
Besser ist es, die Augen zu öffnen.

Man muss sich einfach immer wieder hinterfragen …
Kann es wirklich so sein? Ist es realistisch? Ist mehr bearbeitet, als einfach nur ein Filter auf dem Bild?

So sollten Influencer Schönheitsideale natürlich nicht als echt verkaufen.

Was bedeutet das für mich?

Ich finde Filter keineswegs schlecht!
Ich bearbeite ja auch meine Bilder. Jedoch habe ich über die Jahre gelernt, wo meine Grenze liegt und jedes Mal hinterfrage ich diese Grenze erneut, ob es für mich in Ordnung ist oder nicht. Wie viel ich retuschiere und wie viel nicht.

Als ich vor Ewigkeiten angefangen habe zu fotografieren, war es für mich immer eng mit der Retusche verbunden. Sehr eng. Ich habe mich weniger darauf konzentriert, einfach gute Einstellungen an der Kamera vorzunehmen, sondern einfach drauf los “geknipst” und den Rest in Photoshop gekittet.

Keine Augenringe, reine Haut (ich hoffe gerade, Poren sind mir nicht zu sehr zum Opfer gefallen …), schmalere Arme, Taille, … es war nichts wirklich sicher vor mir und meinen Brushes und Stempelattacken.

Heute sieht mein Workflow ganz anders aus. 

Ich treffe meine Modelle, rede, gehe mit ihnen spazieren oder trinke eine Tasse Kaffee oder Tee. Dann kümmere ich mich maximal 30 Minuten um das Styling, mehr Zeit möchte ich auch gar nicht investieren, weil mein Fokus ja nicht auf dem Make-Up liegt.
Dann wird auf einer schönen Route immer mal wieder da gehalten, wo ich denke, dass die Location für schöne Bilder geeignet ist … Natürlich stelle ich mittlerweile alles richtig ein … Ständig lege ich Pausen ein, rede viel mit meinem Modell, da gehe ich auch mal mit ihr/ihm Mittag essen!
Für mich als Orientierung habe ich so 10 Fotos. Sobald ich das Gefühl habe, dass diese im Kasten sind, gucke ich noch einmal mit meinem Modell rüber. Und dann bin ich schon fertig.

Daheim ziehe ich die Fotos nur noch auf meinen Rechner, entwickle das RAW-Format und passe die Gradationskurven an.

So richtige Retusche, die habe ich schon länger nicht mehr gemacht.

Lieber helfe ich mit ein wenig Make-Up, guten Posen, gut sitzender Kleidung und einem schmeichelhaften Licht nach.

Mehr möchte ich auch gar nicht mehr machen.

 

IMG_20160815_201615.jpg

In Zukunft habe ich auch kein Interesse mehr, Fotos meiner Modelle so stark zu retuschieren. Mal ein Pickel ist da wirklich kein Problem. Aber von diesen extremen Veränderungen möchte ich mich einfach nur distanzieren.

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